Wer an russische Exporte denkt, denkt in erster Linie an Gas- und Ölexporte und weniger an russisches Getreide. Dabei ist Russland nach China, den USA und Indien der viertgrößte Getreideproduzent und zugleich mit einem Marktanteil von 20 % bei Weizen auch der größte Getreideexporteur der Welt. Schon vor einigen Jahren hat man die USA als größten Exporteur abgelöst.

 

Gründe für die gestiegenen russischen Weizenexporte

Früher wurde das russische Getreide hauptsächlich nach Nordafrika und der Nahe Osten beliefert. Insgesamt war Russland um die Jahrtausendwende herum noch ein Nettoimporteur be4i Weizen. Heute wird zunehmend auch in Länder südlich der Sahara und nach Asien beziehungsweise Südostasien exportiert. Die steigende Bevölkerung in vielen Ländern sorgt für eine zunehmend hohe Nachfrage. Hinzu kommen Dürren in einzelnen Regionen, die mit Importen ausgeglichen werden müssen. Russland hat außerdem seine Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. Parallel wurden die Verladeeinrichtungen in den Häfen am Schwarzen Meer erweitert.

Jüngst hatte man von offizieller Seite angekündigt bis zum Jahr 2035 umgerechnet weitere 60 Milliarden Euro in die Erweiterung von Produktionskapazitäten investieren zu wollen. Offiziell begründet wurde dies mit den Preissteigerungen auf dem Binnenmarkt.

Das ist zwar einerseits richtig, tatsächlich steckt dahinter andererseits aber auch neben der Sicherung und dem Ausbau der Stellung auf dem Weltmarkt. Hinzu kommt die Notwendigkeit, sich bei den Exporten diversifizierter aufzustellen und nicht nur hauptsächlich von Gas, Öl und Bodenschätzen abhängig zu sein. Angesichts der politischen Wirren um die russischen Gasexporte, etwa beim Bau der Gasleitung Nordstream 2 sowie das verstärkte Bemühen um die Energiewende in vielen westeuropäischen Ländern scheint dieser Schritt für Russland auch unumgänglich, da man außer Rüstungsgüter vergleichsweise wenig weltmarktfähige Industriegüter für den Export zur Verfügung hat. Wegen des großen Flächenvorrats in Russland und günstigen klimatischen Bedingungen für den Weizenanbau scheint die zunehmende Konzentration auf Weizenproduktion auch logisch nachvollziehbar.

 

Droht der Welt eine neue Abhängigkeit von Russland?

Die Abhängigkeit vieler europäischer Länder vom russischem Gas ist eine Frage von geostrategischer Bedeutung. Im Zuge der Diskussionen um Nordstream 2, der völkerrechtswidrigen Besetzung und Eingliederung der Halbinsel Krim, dem russischen Alleingang in Syrien und den Russland zugeschriebenen Aktionen gegen Kritiker im Ausland ist so manchem, der vorher noch blauäugig in seiner Haltung gegenüber Russland war klar geworden, dass die Fragen der Abhängigkeit auf die Tagesordnung gehört und zurecht auch hinsichtlich der Weizenexporte gestellt werden muss. Der zunehmende Einfluss Russlands auf die weltweite Getreideversorgung wird zunehmend kritisch gesehen. Zusammen mit Kasachstan wird bereits ein Drittel der weltweiten Exporte abgedeckt

 

Weizenpreise steigen weiter

Weizen kostet derzeit umgerechnet 208 Euro je Tonne US Weizen. Das sind 6 % mehr als noch vor drei Monaten. In den letzten 12 Monaten stieg der Wert um 12 % und in den letzten drei Jahren aufgrund der gestiegenen Nachfrage um 33 %. Das Jahrestief lag im März 2020 Corona-bedingt bei 170 Euro. Am 19. Oktober mit 211,75 Euro das bisherige Jahreshoch erreicht. Der Weizenpreis zeigte sich dabei im Jahresverlauf ausgesprochen volatil. Grund dafür war eine starke Nachfrage aus den asiatischen Ländern. Hinzu kam der Einfluss auf das Angebot durch Ernteausfälle nach den schweren Sommerstürmen in Iowa und Dürreperioden in weiteren wichtigen Anbauregionen.

Neben dem Preis für US-Weizen gibt es auch weitere Weizenpreise, wie den MATIF der an der Getreidebörse in Paris festgelegt wird oder die Preise an den großen Weizenhäfen am Schwarzen Meer.

 

Welche Faktoren beeinflussen den Weizenpreis?

Weizenpreise spiegeln in erster Linie Großhandelspreise wider. Die wichtigsten Handelsplätze für Weizen sind die Warenterminbörse in Paris MATIF und die Chicagoer Börse für Terminkontrakte Chicago Bord Option Exchange CBOE. Der Weizenpreis an den Börsen wird zu einem überwiegenden Teil Angebot und Nachfrage bestimmt. Es gibt jedoch auch noch andere Einflussfaktoren. Zum Beispiel gibt es viele Spekulanten, die auf steigende oder fallende Weizenpreise setzen. Das wird von vielen Parteien zunehmend kritisch gesehen, weil sie sagen, mit Lebensmitteln zu spekulieren ist unethisch.

Durch den Einfluss der Spekulanten kann es passieren, dass die Nachfrageseite oft kurz vor dem Verfallstermin von Futures oder Optionen auf Weizen nach einmal zusätzlich gestärkt oder mehr als eigentlich gedacht geschwächt wird. Der Einfluss von Spekulanten am Weizenmarkt hat jedoch in den letzten Jahren erheblich zugenommen, sodass sich der Weizenpreis in verstärktem Maße auch vom tatsächlichen Verhältnis von Angebot und Nachfrage abweichen kann.

Umgekehrt sind Finanzinstrumente wie Futures und Optionen jedoch auch wichtig für die Marktteilnehmer. Vor allem Großhändler und Produzenten nutzen Futures auf Weizen als Sicherungsinstrumente, um ihre eigenen Bestände, die kommenden Ernten oder geplante Einkäufe preislich abzusichern und eine feste Planungsgrundlage zu haben.

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Bildquelle: https://pixabay.com/photos/wheat-field-wheat-cereals-grain-640960/