Der Handel Deutschlands mit den Ländern im Osten Europas macht schon seit einiger Zeit durch überdurchschnittlich hohes Wachstum auf sich aufmerksam. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wuchs der Handel mit den Ostländern um sechs Prozent, nachdem das Jahr 2017 bereits ein Gesamtwachstum von 10 Prozent gebracht hatte. Damit liegt das Wachstum auch in diesem Jahr wieder über dem durchschnittlichen Wachstum der Exporte aus Deutschland von etwa 4,5 Prozent. Nord Stream 2, gute Aussichten in Mittelosteuropa und positive Impulse aus Zentralasien lassen auch weiterhin ein starkes Wachstum erwarten. Getrübt wird die Stimmung derweil durch die neue US-Sanktionspolitik gegen Russland und den Iran, die besonders der deutschen Wirtschaft stark zusetzt.

 

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Mittelosteuropa sticht mit hohem Wachstum heraus

Zwar ist das Geschäft mit Russland im Osten weiterhin der bedeutendste Faktor. Mit besonders hohen Wachstumsraten zeigen sich aber derzeit eher der Westbalkan und Mittelosteuropa als besonders attraktive Märkte. Ganz vorne steht bei diesem überdurchschnittlichen Wachstum der Handel mit dem wichtigsten deutschen Handelspartner der Region, Polen. Getrieben vor allem durch starken privaten Konsum, wird die polnische Wirtschaft in diesem Jahr mit etwa 4 Prozent um 1,7 Prozentpunkte schneller wachsen als die gesamte Wirtschaft in der Europäischen Union. Das hat besonders auf den deutschen Außenhandel positive Auswirkungen. Allerdings trüben politische Unsicherheiten in Berlin und Warschau derzeit das Bild. In beiden Ländern befinden sich die staatlichen Institutionen in einer kritischen Phase, was sich negativ auf das Vertrauen bei den Unternehmen und somit auf den gemeinsamen Handel auswirkt. Neben Polen sind vor allem Ungarn und Tschechien wichtige Treiber der positiven Entwicklung des deutschen Osthandels. In den ersten vier Monaten des Jahres stieg der Handel mit Ungarn sogar um 9,3 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017. Auch das Baltikum trägt mit überdurchschnittlichen Raten zum guten Gesamtbild bei.

 

Nord Stream 2 soll weiteren Impuls bringen

Von der derzeit geplanten neuen Gas-Pipeline durch die Ostsee, die auf direktem Wege Gas von Russland nach Deutschland befördern soll, erwarten Experten wichtige neue Wachstumsimpulse. Beim Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) rechnet man durch den Bau der neuen Leitung mit einer verbesserten Versorgung des deutschen und europäischen Marktes mit dem Energieträger. Das wird sich auch stabilisierend auf die Preise auswirken und den Unternehmen ein höheres Maß an Sicherheit verschaffen. Weil die Eigenproduktion von Gas innerhalb der Europäischen Union derzeit rückläufig ist, so der Verband, werden dringend neue Kapazitäten gebraucht. Diese können nur zuverlässig über die geplante Pipeline geliefert werden. Damit die Ukraine durch den neuen Transportweg nicht zu Schaden kommt, erwarten die Experten für den Osthandel allerdings auch von der Bundesregierung und der EU, dass sie sich weiterhin für die Aufrechterhaltung der Gasleitungen über das Festland einsetzen. Nord Stream 2, so sehen es die Experten, soll lediglich eine Ergänzung zu der vorhandenen Infrastruktur sein.
Vor allem die derzeitige Sanktionspolitik der USA gegenüber Russland und die Einmischung des transatlantischen Verbündeten in Europa machen allerdings Sorgen. Die EU und die Bundesregierung sollen sich diesen Machtspielen entgegenstellen und sich nicht den US-Forderungen ergeben. Nord Stream 2 ist für die europäische Wirtschaft ein elementares Projekt.

Sanktionspolitik stört den Ausblick

Auch im Übrigen trüben die neuen Sanktionsforderungen aus den USA den Ausblick auf den deutschen Osthandel. Der Ost-Ausschuss und Osteuropaverein erwarten daher von der EU und der Bundesregierung einen konsequenten Schutz der deutschen Unternehmen für ihren Handel im Osten. Über deutsche Handelspolitik, so der Verband, könne nicht in Washington entschieden werden. Auch die Sanktionen gegen den Iran haben die Verbände dabei im Blick. Diese sind einseitig durch die USA wieder verhängt worden und werden von der EU und Deutschland eigentlich nicht mitgetragen. Gleichwohl sind auch deutsche Unternehmen indirekt davon betroffen, fürchten sie doch den langen Arm der US-Justiz. Doch nicht nur bei den Sanktionen gegen den Iran erwartet die Gruppe Schutz durch die europäischen Regierungen. Auch die Sanktionspolitik gegen Russland dürfe nicht länger die deutsche Wirtschaft belasten. Auch hier könne die EU-Kommission eingreifen, indem sie eine Art Schutzschirm über europäische Unternehmen legt, die im Osten Handel treiben. Dass die USA mit Gasexporten nach Europa einen Ersatz für die Versorgung aus Russland darstellen können glaubt im OAOEV allerdings niemand. Sollten die USA wettbewerbsfähige Exporte anbieten, sieht man das als eine attraktive Ergänzung für den europäischen Energiemix. Den Handel mit Russland können die USA in dieser Hinsicht allerdings keinesfalls ersetzen.

Russland schwächelt trotz WM

Eine Folge der Sanktionen ist, dass der Handel mit Russland im laufenden Jahr trotz der Fußball Weltmeisterschaft mit Rekordinvestitionen schwächelt. Das FIFA-Event bietet zwar eine gute Grundlage für positive Impulse für den Osthandel. Insgesamt leidet die deutsche Wirtschaft in Russland aber unter den scharfen US-Sanktionen. Zu Beginn des Jahres macht sich das deutlich durch ein nur schleppendes Wachstum im wichtigen russischen Markt bemerkbar, das weit hinter anderen Ländern des europäischen Ostens zurückbleibt. Von der WM bleibe insgesamt zwar ein äußerst positiver Eindruck vom Wirtschaftsstandort Russland haften. Den enormen Schaden den der Außenhandel durch politische Entscheidungen genommen hat, kann die Veranstaltung allerdings keinesfalls ausgleichen. Letztlich ist die weitere Entwicklung im Handel mit Russland eine Entscheidung der politischen Institutionen auf beiden Seiten des Atlantiks. Nur wenn die Spannungen abgebaut und ein versöhnlicher Dialog aufgenommen werden kann, werden sich auch die wirtschaftlichen Verflechtungen wieder entwickeln können.

 

Aus Südosteuropa kommen positive Signale

Politische Versöhnung steht dagegen im südosten Europas auf dem Programm. Der Namensstreit zwischen Mazedonien und Griechenland kann möglicherweise schon bald endgültig beigelegt werden. Das würde dem Land endlich eine starke Annäherung an die EU und damit entsprechende wirtschaftliche Impulse ermöglichen. Der Osthandelsverband OAOEV sieht auch in diesem Fall die EU in der Pflicht, den positiven Entwicklungen den Rücken zu stärken und sich hinter eine Einigung zu stellen. Auch positiven Entwicklungen in Albanien sollte mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden. Die Entwicklungen in dieser Region sind Meilensteine in einer weiteren starken Entwicklung des deutschen Osthandels und müssen jetzt in Angriff genommen werden, da sich historische Gelegenheiten bieten.

Auch in Richtung Zentralasien blicken die Experten mit Zuversicht. Usbekistan öffnet mit großen Schritten seine Märkte für Akteure aus dem Ausland und wolle sich verstärkt in Zusammenarbeit auch mit deutschen Firmen entwickeln. Diese Chancen gilt es jetzt aufzugreifen und die richtigen Schritte einzuleiten, um die positive Entwicklung nachhaltig zu stützen. Der Aufbau von wichtigen Netzwerken, um nachhaltige Strukturen zu festigen ist jetzt ein wichtiger Baustein in der Entwicklung. Vor allem mit Blick auf das sich ausbreitende China sieht der OAOEV die EU jetzt in der Pflicht, sich konsequent in Zentralasien zu engagieren und seine Position in der Region zu stärken.

 

Insgesamt positive Aussichten für den Osthandel

Alles zusammengenommen sieht der OAOEV vor allem positive Entwicklungen in Hinblick auf den deutschen Osthandel. Hohe Wachstumsraten und politische Annäherungen stimmen die Experten insgesamt optimistisch. Dabei sehen sie vor allem in der Festigung der angelaufenen positiven Entwicklungen eine wichtige Aufgabe der EU. Mit dem Aufbau eigener Netzwerke und Kooperationssysteme will man diese Entwicklung tatkräftig unterstützen und ist optimistisch, dass die Arbeit im Osten bald Früchte in der deutschen Exportwirtschaft tragen wird.

Gleichzeitig bleiben politische Spannungen und Sanktionsregime ein wichtiger Faktor, der die positive Entwicklung nachhaltig behindern kann. Auch hier erwarten die Wirtschaftsvertreter daher verlässliche Aktionen vonseiten der Regierungen in Europa, die den deutschen Unternehmen Schutz und Verlässlichkeit verschaffen. Auch in dieser Hinsicht setzt der Verband auf eigene Kooperationen und gemeinsame Projekte, um sich den negativen Folgen der politischen Streitigkeiten entgegenzusetzen.

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